„Jede Technologie ist eine Übergangstechnologie – doch die Welle, die wir gerade reiten lernen, formt still den Reiter“, so unser KI-Experte Prof. Dr. Jörg Kopecz.
Im Juni 2026 eröffnete er als Impulsgeber die Auftaktsession „Quo vadis society?“ des Artikel-17-Dialogseminars der Europäischen Kommission in Brüssel. Sein Thema: Was bedeutet „menschenzentrierte KI“ wirklich – und warum kommt unsere Anpassungsfähigkeit der Technologie nicht hinterher?
Menschenzentrierte KI – Impuls auf europäischer Ebene
Das Telefon brauchte rund 75 Jahre bis zu 100 Millionen Nutzern, das Internet 7 Jahre – ChatGPT 2 Monate. Während die Verbreitung von KI exponentiell beschleunigt, hinkt die menschliche Verarbeitung hinterher: 58 % der Beschäftigten weltweit nutzen KI inzwischen regelmäßig bei der Arbeit, zugleich geben 52 % an, dass KI sie nervös macht – Tendenz steigend.
Europa hat sich mit dem AI Act zu einer „menschenzentrierten“ KI verpflichtet. Doch das Gesetz lässt eine Vorfrage offen: Welches Menschenbild steht eigentlich im Zentrum? Genau diese Frage wollten die Veranstalter des Dialogseminars mit Vertretern aus Politik, Kirchen und Zivilgesellschaft klären – und suchten dafür einen Impuls, der technologische, organisatorische und ethische Perspektiven verbindet.
Prof. Kopecz – ML-Experte mit Physik-Hintergrund und Theologe – entwickelte für den Impuls ein anschauliches Erklärungsmodell: Der Mensch trägt zwei Systeme mit sehr unterschiedlichen „Relaxationszeiten“ in sich. Das kognitive System passt sich schnell an – wir lernen neue Werkzeuge in Wochen. Das emotionale System braucht deutlich länger. Diese Lücke zwischen Kopf und Herz ist der blinde Fleck der europäischen KI-Politik.
Anhand aktueller Daten und eigener Erfahrung aus Transformationsprojekten übertrug er das Modell auf drei Handlungsfelder:
- Arbeit: „Human Oversight“ nach Artikel 14 AI Act scheitert genau dort, wo die Kopf-Herz-Lücke am größten ist – Aufsicht braucht mehr als Kompetenz.
- Bildung: KI-Kompetenz wird als kognitive Fähigkeit behandelt, obwohl Adaption auch affektive Integration verlangt.
- Demokratie: Desinformation greift nicht unser Denken an, sondern das langsamere emotionale System – die Adaptionslücke ist die Angriffsfläche.
Drei Leitfragen strukturierten anschließend die Diskussion – u. a.: Kann „menschliche Aufsicht“ Würde tragen, oder nur ihren Anschein, wenn wir die Lücke zwischen unseren beiden Uhren ignorieren?
Die Teilnehmer erhielten einen gemeinsamen Bezugsrahmen, der die abstrakte Formel „menschenzentrierte KI“ diskutierbar macht – und Europa eine realistische Rolle zuweist: nicht das größte Modell zu bauen, sondern bei der menschengerechten Einführung von KI weltweit führend zu werden.
Für Unternehmen ist das Modell unmittelbar anwendbar: KI-Transformationen scheitern selten am Werkzeug, sondern an der nicht eingeplanten emotionalen Adaption. Wer Rollen, Erwartungen und Ängste von Beginn an adressiert, schließt die Adaptionslücke – und macht aus Nutzung echte Akzeptanz. Genau dabei unterstützen wir Sie: von der Ausgangsanalyse bis zur Begleitung Ihrer KI-Einführung.
Wollen Sie mehr erfahren? Kontaktieren Sie unseren KI-Experten Prof. Dr. JÖRG KOPECZ jk@institut-tm.de